Was tut sich im frankophonen Afrika – Interview mit Tara Méité vom Afrika Verein der deutschen Wirtschaft.

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1.) Wer ist Tara Méité? 

Ich bin eine begeisterte Netzwerkerin, die viel Freude daran hat, Menschen zusammenzubringen. An der Schnittstelle zwischen deutschen und afrikanischen Akteuren aus dem privaten und öffentlichen Sektor habe ich die Möglichkeit, an tollen Erfolgsgeschichten mitzuwirken und mit meiner branchen- und länderspezifischen Expertise zu ihrem Gelingen beizutragen.

2.) Was sind Ihre Aufgaben beim Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft?

Ich bin Senior Manager für das frankophone West- und Zentralafrika und bin somit die erste Ansprechpartnerin für unsere Mitglieder mit Interesse an den frankophonen Märkten dieser Regionen sowie für die Branchen Digitalwirtschaft und Logistik. Darüber hinaus bin ich stets im engen Austausch mit den Mitgliedern unseres offenen Netzwerks indeed Africa! The Young Business Network. Im Rahmen von indeed Africa! bringen wir junge Manager*innen und Startups aus Deutschland und afrikanischen Ländern zusammen und können regelmäßig sehen, wie nicht nur innovative Geschäftsmodelle, sondern auch neue, bisweilen unerwartete, Partnerschaften entstehen. 

3.) Was ist das Besondere am frankophonen Afrika? 

Vielen fallen im ersten Moment eher mögliche Herausforderungen, wie etwa kulturelle und sprachliche Barrieren oder kleinere Märkte, ein. Dabei bietet das frankophone West- und Zentralafrika in wirtschaftlicher Hinsicht besondere Chancen, die beispielsweise aufgrund der bestehenden Wirtschaft- und Währungsunionen entstehen. Nehmen wir das Beispiel Benin, Côte d’Ivoire, Togo und Senegal: In diesen und weiteren Ländern zahlen Sie, wie in der Europäischen Union, mit einer einheitlichen Währung, dem Franc CFA. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Währungen hat dieser eine feste Bindung an den Euro und somit auch einen stabilen Wechselkurs. Die Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten ECOWAS, der doppelt so viele frankophone Staaten wie englisch- und portugiesisch sprachige Staaten angehören, ist wiederum die aktivste regionale Wirtschaftsunion auf dem afrikanischen Kontinent, die unter anderem die Freiheit des Personen- und Warenverkehrs sowie die Modernisierung der regionalen Infrastruktur fördert. 

4.) Welche Themen stehen dort im Fokus? 

Da gibt es viele spannende Themen. Länderübergreifend lässt sich feststellen, dass eine zuverlässige Energieversorgung von zentraler Bedeutung ist. Hierbei wird beispielsweise im Rahmen regionaler Initiativen über Landesgrenzen hinaus kooperiert. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien spielt in diesem Themenkomplex eine Rolle. Neben der Logistikbranche, der Landwirtschaft und dem Gesundheitssektor ist auch zu beobachten, wie das Interesse an chemischen Erzeugnissen, an Maschinen (etwa Lebensmittelverarbeitungs- oder Verpackungsmaschinen) sowie an dem Informations- und Telekommunikationssektor wächst. 

5.) Wie geht es den Menschen am Ende der Pandemie? 

Neben dem menschlichen Leid sind je nach Land die wirtschaftlichen Auswirkungen für viele spürbar. Interessanterweise haben mehrere frankophone Staaten während der Pandemie eine vergleichsbar hohe Resilienz bewiesen. Das ist ein wichtiger Faktor, wenn wir auf Bevölkerungsgruppen blicken, die auf ihre tägliche Arbeit angewiesen sind und kaum finanzielle Rücklagen bilden können. Andererseits haben west- und zentralafrikanische Staaten mehr Erfahrung im Umgang mit Epidemien und konnten so frühzeitig auf bewährte Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zurückgreifen. Wie überall auf der Welt, ist auch in den genannten Regionen einiges anders als vor der Pandemie: So wurde etwa die Digitalisierung beschleunigt und es konnten unerwartet neue, kreative Geschäftsmodelle entwickelt werden, die branchenübergreifend den Alltag vieler Menschen verändert haben.

6.) Wie sind die Optionen für die Wirtschaft? 

Die Optionen sind grundsätzlich in vielen Märkten der Region interessant. Nach der Pandemie ist davon auszugehen, dass ihr rasantes Wachstum sich fortsetzen wird. Es werden steigende Investitionen erwartet und mit einer zunehmend kaufkräftigen Bevölkerung, welche nicht nur in Abidjan und Dakar anzutreffen sein wird, wächst auch die Nachfrage nach dem Qualitätssiegel „Made in Germany“. 

7.) Wirkt die Zeit des Kolonialismus noch nach?

Der Kolonialismus hat natürlich vielerorts seine Spuren hinterlassen. Nicht nur sprachlich und kulturell, sondern auch strukturell und institutionell. Es ist daher immer hilfreich, sich der historischen Auswirkungen bewusst zu werden, denn sie wirken sich auch auf wirtschaftliche Aktivitäten aus. So sind in vielen Ländern die Biographien, der intellektuelle Werdegang und die Geschäftsnetzwerke lokaler Eliten sehr durch Frankreich geprägt. Dies drückt sich auch in alltäglichen Präferenzen von Konsument*innen aus, die etwa im frankophonen Westafrika bevorzugt Wein trinken, während in Ostafrika mehr Whisky getrunken wird. Diese Verbindung sollte deutsche Wirtschaftsvertreter*innen jedoch nicht abschrecken, denn es handelt sich hierbei um ein durchaus ambivalentes Verhältnis. 

Danke für das Interview

Interview: Dr. Thomas Isenburg

Kontakt: Tara Méité

https://www.linkedin.com/in/tara-méité-1b2b17105/

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