BildMedienbüro

Sie gilt als das größte Infrastrukturprojekt unserer Zeit: die von Gerhard Knies entwickelte Desertec-Vision. Vor etwa zehn Jahren stand sie auf den Agenden der deutschen sowie europäischen Regierungen weit oben. Die Pläne von Knies sollten nicht in irgendeiner Schublade verschwinden, sondern bis 2050 Realität werden. Durch die Desertec-Industrie-Initiative (Dii) entstanden einzigartige Studien und viele Länder der MENA-Region nahmen das Konzept zur Förderung auf.
Etwa zehn Jahre später ist nach den Umbrüchen durch den Arabischen Frühling einiges passiert. Die Experten sehen Desertec als eine Lösung zur emissionsfreien Energieversorgung mit erneuerbaren Energien. Der Süden beliefert herfür den Norden, mehr noch: Beide Regionen können zusammenwachsen. Das saudi-arabische Unternehmen ACWA baut die Kraftwerkstechnik als Anlagenbetreiber in der arabischen Welt. Siemens GAMESA hat gerade eine Rotorblattfabrik im marokkanischen Tanger eingeweiht. Diese Liste ließe sich noch weit fortsetzen. Katalysiert wurden diese Entwicklungen auch durch das deutsche Industriekonsortium unter Führung des Niederländers Paul van Son. Allerdings gelange es dem Kraftwerksbetreiber innorgy aus Essen bislang noch nicht in der Region ein Kraftwerk zu bauen.

Anders ist die Situation im Norden: Hier steht das Thema nicht mehr so weit oben in den Agenden. In Europa hat die Flüchtlingskrise zu einem Rechtsruck geführt. Raumgreifende Antworten der europäischen Außenpolitik bleiben aus. Mehr noch es gibt Zweifel an der europäischen Gemeinschaft, die vom sogenannten Brexit bis zu Reformvorschlägen des französischen Präsidenten Macron reichen.

Dabei ist Desertec auch in Ermangelung geeigneter Speicher eine mögliche Option, die technisch funktioniert sowie Fluchtursachen bekämpft. Zudem sorgt sie für emissionsfreien Strom aus den Wüsten. Es anzupacken ergibt daher Sinn. Auch wenn noch bis 2050 Zeit ist, müssen die Weichen jetzt gestellt werden.

 

Autor: Dr. Thomas Isenburg, Wissenschaftsjournalist