Medienbüro+Tunesien

In dem Land auf der anderen Seite des Mittelmeers, das Sizilien gegenüberliegt, ist der Arabische Frühling ausgebrochen und am weitesten fortgeschritten. Davon zeugt die Erarbeitung der fortschrittlichsten Verfassung der arabischen Welt ebenso wie der an das tunesische Dialogquartett Wided Bouchamaoui vom Arbeitgeberverband UTICA, Houcine Abassi vom Gewerkschaftsbund UGTT sowie Abdessattar Ben Moussa und Mohamed Fadhel Mahmoud vergebene Friedensnobelpreis. Die Gruppe hatte einen Bürgerkrieg verhindert,

Dem Reisenden in der Region fällt auf, dass die Tunesier weniger offensiv als die Mitmenschen in den Nachbarländern agieren. Auch die Rolle der Frauen im Straßenbild scheint weniger vom Islam geprägt zu sein. Viele sind unverschleiert und flanieren mit ihren Partnern auf den Straßen. Sie sitzen in Gruppen mit Männern und genießen die Zeit. Das Straßenbild ist aber auch von Polizei am Wegesrand gekennzeichnet. Hierzu fällt die Bemerkung eines Taxifahrers auf: „Ein Land ohne Polizei ist wie eine Frau ohne Busen oder ein Mann ohne Buch.“ Das wirkt sexistisch motiviert.

Im Straßenbild gibt es deutliche Zeichen für mehr Meinungsfreiheit, zum Beispiel in La Masa, einem noblen Vorort von Tunis am Mittelmeer. Hier führt eine Gruppe junger tunesischer Menschen eine Plastiksammelaktion am Strand durch. Sie versprühen dynamische Begeisterung und zeigen ihre Plakate am Strand. Dabei ist die kleine Stadt noch vom Massentourismus verschont geblieben. Die jungen Menschen sind stolz auf ihr Land und zeigen das auch, indem sie äußern: „Tunesien wird eine große Zukunft haben wegen seiner jungen Generation.“ Diese Prognose kaum ausgesprochen stellen sie Fragen nach Studienmöglichkeiten in Deutschland.

An den Mauern der Stadt sind die Suren des Arabischen Frühlings noch deutlich zu sehen. Einiges in Tunesien orientiert sich an einer neuen arabischen Lebensweise und versprüht ein angenehmes Lebensgefühl für Europäer.

Autor: Dr. Isenburg, Journalist für Energie und Afrika