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Tunesien: Die Wiege der Arabellion auf dem Weg zur Demokratie und zu erneuerbaren Energien

Dezember 21, 2014 by

Sharia in Marokko

Der Name Tunesien leitet sich von der Landeshauptstadt Tunis ab. Dieses Land am Mittelmeer zwischen Algerien und Libyen bewohnen 10 Millionen Menschen, Tendenz steigend. Dabei wurde eine lebendige Geschichte durchlebt, von den Karthagern und Römern bis zu den Schlachtfeldern des zweiten Weltkrieges, über die Franzosen zum Ausgangsort der Arabellion, auch Jasminrevolution genannt. Schon allein die Aufzählung deutet Wechselvolles an.

Seit dem 7. Februar 2014 gibt es nun eine neue Verfassung, auf die sich die Mehrheit der 200 Abgeordneten des Parlaments in Tunis einigte. Sie gilt als fortschrittlich im arabischen Raum, garantiert sie doch Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie die Gleichstellung von Männern und Frauen – einzigartig für die Region. Frauen wurden bereits nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1956 gleichgestellt. Zudem wird eine bestimmte Anzahl von Sitzen im Parlament an Frauen vergeben.

Dabei gilt das Land als Musterbeispiel für den Übergang zu einer Demokratie. Die Revolution machte dem Einparteiensystem des damaligen korrupten Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali ein Ende. Schweizer Banken froren sein Vermögen ein, der Diktator floh nach Saudi Arabien. Ihm wird zum Beispiel der Diebstahl mehrerer französischer Luxusjachten zur Last gelegt.

Zurzeit wird in Tunesien ein neuer Präsident demokratisch gewählt. Gekennzeichnet ist das Land, in dem die Arabellion begann, von Unruhen, Gewalt und wirtschaftlicher Not.

Ahmed Hamachi im Wuppertalinstitut auf DEutschlandtour

 

Ahmed Hamachi ist Dezember 2014 auf Deutschlandtour in Sachen Energie, und besucht deutsche Forschungsinstitute. Der etwa fünfzigjährige Mann ist Associate Professor für Technische Chemie in Gabès, einer Stadt mit etwa 120 000 Einwohnern an der tunesischen Mittelmeerküste. Hier beschäftigt er 10 Doktoranden, zum Beispiel mit der Umwandlung von Phosphoroxid mit Schwefel zu Schwefelsäure und Phosphorsäure. Phosphor ist einer der Bodenschätze Tunesiens. Beim Umwandlungsprozess zur Säure wird viel Energie frei. Diese nutzen Chemieunternehmen und Städte zur Wärmegewinnung.

Zudem verfügt Tunesien über kleinere eigene Ölreserven. Jedoch basiert die Energieversorgung auf Erdgas. Dieses erhält das Land aus Algerien, durch eine Pipeline, die dann dem Mittelmeer für den Gastransport nach Italien sorgt

Hamachi hält aber eine Energieversorgung auf der Basis großer PV- und CSP-Anlagen für möglich. Hierzu gibt es zwei große Projekte, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und mithilfe europäischer Finanzierung. Implementiert werden die Projekte von der tunesischen Energieagentur.

Schon heute ist die Warmwasserversorgung per Solarthermie sowie PV-Anlagen auf den Dächern von Häusern Realität, meint Hamachi.

Jedoch brach das System mit dem Arabischen Frühling zunächst einmal zusammen, so der Chemietechniker. Viele Unternehmen schlossen und junge Leute hatten es daher schwerer, einen Job zu finden – ein idealer Nährboden für den Islamismus. Allerdings hat diese Gruppe in Tunesien keinen besonders großen Einfluss.

In der Planung sind, ähnlich wie in Marokko, 4 GW an erneuerbaren Energien, auch um von den Erdgaslieferungen Algeriens unabhängig zu werden. Ein Projekt wie der Bau von Solarkraftwerken mit 500 MW unter dem Namen Noor in Ouarzazate hält Hamachi mit leuchtenden Augen für möglich. Man darf gespannt sein auf die weiteren gesellschaftlichen und energiepolitischen Entwicklungen des Landes.

Autor: Dr. Thomas Isenburg, Wissenschaftsjournalist aus Bochum

www.thomas-isenburg.de 

2 Responses to Tunesien: Die Wiege der Arabellion auf dem Weg zur Demokratie und zu erneuerbaren Energien

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