Nach 10 Jahren blutigen Bürgerkrieg ist das Land mit dem Wiederaufbau und der Aufbereitung der jüngsten Vergangenheit beschäftigt. Das Land in der Nähe des Äquators an der westafrikanischen Atlantikküste zählt zu den ärmsten der Welt. Sein Bruttosozialprodukt pro Kopf und Jahr liegt bei 729 US $. Diesen Betrag erwirtschaftet ein Einwohner. Dabei erscheint die Ausgangslage vielversprechend, denn die Region gehört zu den feuchtesten in Westafrika. Mit 5,61 Millionen Menschen leben im Schnitt 74 Personen auf einem Quadratkilometer. Statistisch bekommt jede Frau 6,1 Kinder und nur wenigen stehen moderne Verhütungsmittel zur Verfügung.  Jedoch beträgt nach den Angaben der Weltgesundheitsorganisation die Lebenserwartung nur 42,6 Jahre. Daher liegt der Anteil der Bevölkerung die jünger als 15 Jahre sind bei 42 Prozent. Mit dieser geringen Lebenserwartung befindet sich Sierra Leone in der Spitzengruppe, was diesen traurigen Parameter angeht.
Für die vielen Kinder wird die Einführung der Allgemeinen Schulpflicht angestrebt. Allerdings herrscht Mangel an ausgebildeten Lehrern. Auch wurden während des 10 jährigen Bürgerkriegs in der 90er Jahren des vergangen Jahrhunderts zahlreiche Schulen zerstört.

Der Name von Sierra Leone noch auf seinen portugiesischen „Entdecker“ Pedro da Contra zurück und bedeutet Löwengebirge. Der Gebirgszug erschien da Contra Rau und Wild. Im laufe des 16. Jahrhunderts änderten englische Seefahrer diesen dann in Sierra Leone.

Auch diente das Land als Stützpunkt gegen den Sklavenhandel, obwohl dieser in bereits England 1810 verboten wurde. In der Zeit kamen befreite Sklaven aus England, den britischen Besitzungen in Übersee und aus den gekaperten Sklavenschiffen und siedelten an. Im Jahr 1808 wurde das Land dann britische Kolonie.  Fast ein Jahrhundert später und etwa elf Jahre nach der berühmten Berliner Kongokonferenz zur Aufteilung Afrikas im Jahre 1885 deklarierten Britten das Hinterland 1896 als britisches Protektorat.

Die Unabhängigkeit im Rahmen des Commonwealth erfolgte im Jahre 1961. Jedoch durchlebet das Land mehrere Militärputsche bis 1971 die Republik ausgerufen wurde.

In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam es dann zu heftigen Bürgerkriegen mit fürchterlich brutalen Auswirkungen bei dem auch Kindersoldaten Zwangsrekrutiert wurden. Seit 2002 wird versucht in Sierra Leone eine Demokratie zu installieren. Die Sicherheitslage beschreibt Amnesty Internationale in Sierra Leone seit 2009 als stabil, auch sind Erfolge beim Kampf gegen die Korruption zu verzeichnen.

Wie in den meisten Entwicklungsländern ist die Arbeitslosigkeit in Sierra Leone nicht das Hauptproblem – die meisten Menschen können sich schlichtweg nicht leisten, arbeitslos zu sein und gehen daher irgendeiner Beschäftigung nach – oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Trotz harter Arbeit verdienen sie dann weniger als 2 Dollar pro Tag und werden als working poor bezeichnet. Gerade den jugendlichen fehlen die Optionen, so auch in Siama, einer kleinen  Gemeinde im ländlichen Osten Sierra Leones. Auch sind viele Jugendliche vor dem Bürgerkrieg in die Hauptstadt Freetown geflohen. Die Meisten Bewohner leben vom Reis-, Gemüse-, und Kakaoanbau – hier mangelt es Saatgut.

Auch der Verkauf der wenigen erzeugten Produkte gestaltet sich schwierig. So können die Kleinbauern ihre Ware aufgrund des schlechten Zustandes der Zubringerstraße nur mit hohen Transportkosten zum Markt in Pendembu, der Hauptstadt des Distrikts, bringen.

Trotz der täglichen harten Arbeit reicht das Einkommen häufig nicht zum Überleben. Damit gehören die Bauern aus Siama zu den “Working Poor”. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die KfW gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) verschiedene Projekte ins Leben gerufen, die in Siama die landwirtschaftliche Produktion verbessern, neue Perspektiven für Jugendliche schaffen und die Infrastruktur stärken. Die einheimischen Bauern werden gezielt geschult, um insbesondere den Kakaoanbau zu verbessern. Neue Verarbeitungsmethoden sorgen für eine bessere Qualität ihrer Produkte.

Auch die junge Baindu Allie sieht nun neue Zukunftsperspektiven für sich und ihre Familie in Siama. Nun baut sie dort Gemüse und Reis an. “Ich bin jetzt in der Lage, meine Kinder in die Schule zu schicken, und baue mit den Einnahmen gerade ein neues Haus für meine Familie”, erzählt Baindu Allie. Dass der Handel mit ihren Produkten so erfolgreich ist, liegt aber auch an der neuen Straße, die das kleine Siama mit der Regionalhauptstadt verbindet. Beim Bau der Straße haben die lokalen Unternehmen die Bewohner der umliegenden Dörfer miteinbezogen, um möglichst viele Menschen in Lohn und Brot zu bringen. Baindu Allie und die anderen Bauern aus Siama können nun an jedem Markttag nach Pendembu fahren und dort mit ihren Produkten ein höheres Einkommen als in ihrem Dorf erzielen.

Autor: Dr. Thomas Isenburg, Wissenschaftsjournalist aus Bochum